Wer studieren will, muss auch einkaufen können
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(© SUH)
Herr Prof. Dezaye, warum gibt es die Hochschulpartnerschaft mit dem Herder-Institut der Universität Leipzig?
Auf einer Sitzung sind wir mit dem DAAD übereingekommen, dass die bisherigen fünf Hochschulkooperationen gut laufen und es an der Zeit ist, neue Fächer hinzuzufügen. In Erbil gibt es ein Goethe-Institut und die Deutsche Schule. Aber in der gesamten Region Kurdistan existiert für Studenten und Studentinnen keine Möglichkeit, die deutsche Sprache zu lernen. Wir bieten in unserem Sprachen-College unter anderem Türkisch, Englisch und Französisch an, aber Deutsch fehlte noch. Dabei ist der Bedarf groß, zum Beispiel bei den deutschen Unternehmen, die in der Region aktiv sind. Und natürlich auch bei den Stipendiaten der bisherigen Hochschulpartnerschaften, die in Deutschland studieren werden.
Was bringt das Herder-Institut in die Partnerschaft ein?
Seine Experten wissen genau, wie man Deutsch als Fremdsprache unterrichten und lernen muss. Das Herder-Institut wird das Curriculum des Studiengangs entwerfen und dabei helfen, es an unserer Universität zu implementieren. Außerdem wird es einen Austausch zwischen den Dozenten in Erbil und Leipzig geben. Wir müssen das Wissen unseres Personals auf den neuesten Stand bringen. Anfang der 80er Jahre haben bereits einige unserer Lehrkräfte an der Universität Leipzig studiert – daran können wir mit dieser Kooperation anschließen.
Wer wird die Studierenden in Erbil unterrichten?
Wir haben vom DAAD eine Regellektorin und eine Sprachassistentin erhalten, die bereits in Kurdistan angekommen sind. Außerdem wird die Leiterin des DAAD-Büros in Erbil vier Stunden die Woche unterrichten. Ohne die Hilfe aus Deutschland wäre es sehr schwer, ein solches Institut zu eröffnen, weil man keine ausgebildeten Deutschlehrer findet. Wir sind sehr glücklich, diese Kooperation mit der Universität Leipzig einzugehen und hoffen sie später erweitern zu können – zum Beispiel in den Bereichen Archäologie oder Traumatologie.
Wann wird das Deutschprogramm starten?
Ende November werden die ersten 25 bis 30 Studentinnen und Studenten ihr Bachelor-Studium beginnen. Der Abschluss wird normalerweise in vier Jahren erreicht, aber mit einem intensiven Lehrplan sollte es auch in drei Jahren möglich sein. Im Moment errichten wir für den Deutsch-Studiengang ein eigenes Gebäude mit drei Räumen.
Wird es, wie bei den bisherigen Hochschulkooperationen, einen Studentenaustausch geben?
Nein, aber alle Studenten werden an einem Sommerkurs in Leipzig teilnehmen. Dabei wird es nicht nur darum gehen, die Deutschkenntnisse zu verbessern, sondern auch die Kultur des Landes, die Menschen und die Lebensart kennen zu lernen. Einige unserer Absolventen allerdings würden wir gerne zum Master- oder Doktorandenstudium nach Deutschland bringen. Auf diese Weise könnten wir uns einen Grundstock an eigenen Lehrkräften aufbauen. Es gibt auch die Idee, kurdische Studenten, die bereits in Deutschland leben und studieren, mit einem Stipendium auszustatten. Damit könnten sie ihren Master machen oder promovieren. Sie müssten allerdings einen Vertrag unterschreiben, der sie nach dem Studium verpflichten würde, in den Irak zurückzukehren und bei uns zu unterrichten.
Wer wird noch vom neuen Studiengang profitieren?
Wir haben dem DAAD außerdem vorgeschlagen, dass wir in Erbil auch die Studenten ein Jahr Deutsch lernen lassen, die im Rahmen der bisherigen fünf Hochschulpartnerschaften nach Deutschland kommen. Selbst dann, wenn ihr Fach in Englisch unterrichtet wird. Jemand, der in ein fremdes Land kommt, muss sich nicht nur an der Universität ausdrücken können, sondern auch mit den Menschen sprechen, einkaufen gehen oder auf einer Behörde vorsprechen. Wer die deutsche Sprache nicht kennt, kann hier nicht leben. Deshalb sollen diese Studenten den Deutschkurs nicht erst in Deutschland erhalten.
Quelle. www.tabadul.de